Robert Franz Singakademie Halle

Kritiken und Presseberichte

Die Leipziger Volkszeitung vom 28. November 2000:

Benefizkonzert mit Brahms' "Requiem"

Das war wieder einmal ein Konzert, in dem der alte Bach in seiner Ruhestätte wohl die Fugen mitgesummt hat. Im Rahmen der Aktion "Leipziger für Leipziger" gaben Sonntagabend Mitglieder des Gewandhausorchesters und der Robert-Franz-Singakademie Halle ein Benefizkonzert in der gut besuchten Thomaskirche. Von der Hoffnung auf die lieblichen Wohnungen lässt Johannes Brahms in seinem deutschen Requiem singen. Für Dirigent Gothart Stier daher geradezu persönliche Verpflichtung, mit seiner alljährlichen Requiem-Aufführung diesmal auch der realen und geistigen Heimatlosigkeit zu gedenken - der Erlös kommt sozialen Projekten der Leipziger Obdachlosen und Jugendarbeit zugute.

Jede Note wurde von Stier durchlebt. Die Sänger durchlitten mit ihm das "Selig sind, die das Leid tragen", durchschnitten das "verdorrte Gras" mit dem "Aber des Herrn Wort" und durchschritten gemeinsam mit den geschlossen zupfenden tiefen Streichern "die Vorhöfe des Herrn". Selbst im offen liegenden siebenten Satz bewiesen die meisten Sänger noch Gefühl für Intonation und Deklamation, folgten bis zum Schluss Stiers dirigentischen Intention einer klangschönen Interpretation. So hörte man endlich einmal das "Ich will euch trösten"-Piano im vorgeschriebenen espressivo.

Monumental im Aufriss das Blech, weich spielend aber ohne Weichspüler das saubere Holz, Streicher und Harfe: Dies war das wohlverdiente Podest für Nobel-Bariton Siegfried Lorenz und die kurzfristig eingesprungene Snezana Stamenkovic, der derzeitige Pamina-Sopran der Leipziger Oper.

Christian T. Köhler

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