Robert Franz Singakademie Halle

Kritiken und Presseberichte

Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete am 19. Dezember 2000:

Weihnachtsoratorium

Bach mit viel Glanz und Besinnung

Philharmonie musiziert in der Händel-Halle

Halle/Mz/asr. Am Ende des Bach-Jahres 2000 erfährt das wohl bekannteste Kantaten-Werk des großen Thomaskantors noch einmal eine besondere Bedeutung. Allerorten erklingt sein Weihnachtsoratorium und verbreitet vorfeiertäglichen Glanz.

So wird auch das Kuriosum von zwei zeitgleichen Aufführungen in Halle - nur wenige Straßenzüge voneinander entfernt - verständlich. Es blieb dem Publikum am Sonntagabend überlassen, die Wahl zwischen Marktkirche und Händel-Halle zu treffen. Dem Ruf von Philharmonie und Robert-Franz-Singakademie unter Stabführung von Gothart Stier jedenfalls folgte eine überaus zahlreiche Zuhörerschaft.

Geschickt verstand der Dirigent es, zeitgemäße Bachinterpretation mit sinnhaft-romantischer Auffassung zu verbinden. Die Zuhörer profitierten vor allem in den Chorälen von der bildhaft ausgeformten Interpretation, die den Inhalt mit starkem Gestus verdeutlichte.

Chor und Orchester folgten Gothart Stiers Dirigat absolut souverän und leichtfüßig, mit großer Durchsichtigkeit in den Fugati und geradezu tänzerischem Schwung in den festlichen Pauken-und-Trompeten-Chören. Die Philharmonie zeigte in schlanker Besetzung eine für ein großes Sinfonieorchester nicht immer selbstverständliche, luftigleichte barocke Spielweise und Spielfreude. Und sie bot den Solisten damit ein ideales Forum für deren gesangliche Interpretationen.

Ein kleiner Wermutstropfen im Wohlklang des Solistenquartettes war die Indisponiertheit des Baritons (Siegfried Lorenz), dem jedoch Adelheid Vogel (Sopran) im Duett hilfreich zur Seite stand. Als absolute Glücksgriffe erwiesen sich Christoph Genz (Tenor) und Ulrike Helzel (Mezzosopran).

Ein Evangelist wie Genz, mit solcher gleichermaßen sanften und klar konturierten Stimme, ist nur selten zu hören. Und Ulrike Helzel ließ vor allem die Arie "Schließe mein Herze ... " - vom warm-samtenen Klang der Solovioline (Peter Rosen) begleitet - zum Erlebnis werden. Großen Beifall gab es dann auch folgerichtig für einen festlichen und bewegenden Abend als wohlverdienten Dank an alle Beteiligten.

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