Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete am 17. April 2001:
Philharmonie
Unverwechselbare Schönheit von Bachs Musik
Von unserem Mitarbeiter
CLAUS HAAKE
Halle/MZ. Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion markiert einen schöpferischen Höhepunkt des Komponisten an unversiegbarem musikalischen Reichtum. Die Frische der musikalischen Gestalten, die Verzahnung stürmisch-dramatischer Momente sowie vor allem die der Musik innewohnende ergreifende Dialektik von Trauer und Hoffnung werden bis heute und stets aufs Neue zum bewegenden Erlebnis.
Eben diese Unverwechselbarkeit der Bachschen Kunst wurde im fünften Chorkonzert des Philharmonischen Staatsorchesters mit der Aufführung der Passion zu Herzen gehende Realität. Gothart Stier vereinte die Robert-Franz-Singakademie, das Solisten-Quintett und die Instrumentalisten zu einem Ensemble von überzeugender Geschlossenheit. Er inspirierte souverän und präzise zu zügigem Ablauf und zu fesselnden musikalischen Bildern. Mit spürbarem Engagement folgten die Choristen jedem Impuls des Dirigenten und realisierten ihre riesige Partie mit glänzender Klangkultur, Durchsichtigkeit, unbedingter Exaktheit und nuancenreicher Dynamik sowohl in weit gespannten Komplexen als auch in den vielen kleinen Details.
Nils Giesecke erfüllte die Partie des Evangelisten und die Tenor-Arien mit Überlegsamkeit, dramatischen Akzenten und vor allem eindringlich-klarer Stimmgebung. Lena Lootens (Sopran) verband Stimmschönheit mit befreiender Lockerheit, während Hogna Bartosz (Alt) berührende Wärme ausstrahlte. Mario Hoff (Bariton) fand vor allem im Zusammenwirken mit dem Chor bewegende Ausstrahlung, und Stephan Heinemann (Bariton) gab den Jesus-Worten Klarheit und Überlegenheit.
Die kammermusikalisch besetzten Philharmoniker verwirklichten die Bachsche innige Verwobenheit von vokalen und instrumentalen Linien in einfühlsamem Zusammenwirken. Dabei ist neben den vorzüglichen Instrumental-Solisten auch die Continuo-Gruppe hervorzuheben, besonders Hansjörg Albrecht, der einfallsreich und farblich belebend die Orgel versah.
Robert-Franz-Singakademie Halle - Kritiken