Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete am 28. November 2001:
Deutsches Requiem
Philharmonie und Singakademie überzeugten
Von unserer Mitarbeiterin
MANUELA SCHREIBER
Halle/MZ. Während auf den Plätzen rings um die Marktkirche schon die Freuden der Adventszeit begannen, wurde das Kircheninnere am Ewigkeitssonntag zum Ort der Besinnung mit Johannes Brahms' "Ein deutsches Requiem". Das Publikum folgte dichtgedrängt der Einladung von Philharmonie und Robert-Franz-Singakademie zu diesem Benefizkonzert für UNICEF und erlebte eine Aufführung von großer Ausdruckskraft und musikalischer Differenziertheit.
Für Johannes Brahms brachte die Uraufführung 1866 den Durchbruch als Symphoniker und eröffnete ihm den Weg in die Musikzentren Europas. Vollendet unter dem Eindruck des Todes seiner Mutter, erweist es sich in seinen sieben Sätzen weniger als liturgisch gebundene Totenklage denn als trostspendender Zuspruch an jene, die Tod und Abschied als Teil des Lebenszyklus erfahren. Der Chor nimmt eine zentrale Stellung ein. In vier Sätzen fällt ihm allein die Ausdeutung der Bibelworte zu, während er in den Sätzen mit Sopran- und Bariton-Solo auf die Ausführungen der Solostimmen antwortet, sie kommentiert und überhöht. Die Singakademie zeigte sich bestens vorbereitet und eingestimmt. Wie aus einem Guss ging der Chor, vom elegisch-abgedunkelten "Selig sind..." bis zu den ekstatischen Ausbrüchen wie "Tod, wo ist dein Stachel!" "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras" schritt im Tempo einer Sarabande daher und türmte sich in der Wiederholung zu Felsen der Bekräftigung auf. Textverständlichkeit gelang im Forte aufs Hervorragendste, während in den leisen Stellen ein exquisiter Klangteppich erzeugt wurde - freilich auf Kosten der Artikulation.
Wer je sich intensiv mit diesem Werk und seiner Interpretation auseinandergesetzt hatte, musste den Sopran von Ute Selbig als Idealbesetzung empfinden. Klar und doch erdverbunden neigte er sich bei allen Himmelsschwüngen, bei allem Klang voller schwereloser Kuppeln der Menschlichkeit zu mit "Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet."
Siegfried Lorenz (Bariton) hatte seine zwei Solosätze eher lyrisch-fragend als prophetisch-kraftvoll angelegt und stand so manchmal in der Gefahr, vom Orchester-Tutti überrollt zu werden. Unter Gothart Stiers akkuratem und leidenschaftlichem Dirigat gelang der Philharmonie eine durchsichtige, fast kammermusikalische Begleitung, die sich vor allem in den Streichern mit klarem Unisono, tropfendem Pizzicato und eindrücklichen Orgelpunkten als kongenial erwies.
Robert-Franz-Singakademie Halle - Kritiken