Robert Franz Singakademie Halle

Kritiken und Presseberichte

Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete am 2. Januar 2002:

Die "Neunte" als reinste Freude

Kongeniale Aufführung

Von unserer Mitarbeiterin
MANUELA SCHREIBER

Halle/MZ. Jedes Jahr stellt sich bei Beethovens neunter Sinfonie die gleiche Frage: Kommen die Zuhörer eher wegen der ersten drei, fulminant durchgearbeiteten Sätze oder vorrangig, um die berauschende Mischung von menschlichen und orchestralen Stimmen im Schluss-Satz zu hören. Egal - alle eint letztlich die freudenvolle Jahresendstimmung, gekrönt von Beethovens genialstem, umfänglichstem und konsequentestem sinfonischem Werk.

Diesmal präsentierte sich das Philharmonische Staatsorchester in geradezu kongenialer Übereinstimmung mit Chefdirigent Wolf-Dieter Hauschild. Aufs Schönste wurde die innere, das ganze Werk umfassende Entwicklung verdeutlicht. Im ersten Satz obsiegte noch das fahle Grau und die von bebender Unruhe durchzuckte Dunkelheit. Doch in den Seitenthemen flammten Momente lichter Schönheit auf, die die Pauke mit genialisch kraftvollen Wirbeln zerteilte.

BildIm Scherzo gab wieder die Pauke den Ton an und trieb das erregt dahin huschende Perpetuum mobile voran. Heitere Seitengedanken in den Holzbläsern korrespondierten mit schwingenden Violinen. Ein kleines Paukensolo zeigte Witz, ebenso der auf- und abschwellende Bläserchoral. In lichteste Höhen entrückte das Adagio. Und hier konnte den Streichern in ihrer warmen Fülle und hauchzartesten Pizzicato nachgeseufzt werden. Sanfte Dissonanzen wurden aufs Genaueste kalkuliert. Der jähe Einbruch des vierten Satzes kam fast etwas gestolpert, entfaltete aber schon bald seine ganze Wucht im Ringen um das Freudenthema. Mit dem menschlichen Ruf (Otto Katzameier mit kraftvollem, etwas vibratoreichem Bass) wurde die orchestrale Dimension erweitert. Measha Brüggergosmann (Sopran) und Martina Bast (Mezzosopran) fügten sich wohlklingend ein. Der Tenor (Donald Litaker) trat mit heldischem Gestus hinzu.

Die Robert-Franz-Singakademie setzte die orchestrale Durchdachtheit mit stimmhafter Durchhörbarkeit fort, steigerte sich, bis die gewaltige Doppelfuge in kraftvollstem Glanz erstrahlte. Spätestens hier setzte das wohlige Erschauern des Publikums ein. Die Schluss-Stretta, mit fulminater Rasanz und Plastizität dargeboten, fegte alle erhabenen Gefühle durch überschwänglichen Jubel hinweg und ließ nur Platz für reinste Freude.

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