Robert Franz Singakademie Halle

Kritiken und Presseberichte

Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete im Juni 2002:

Konzert im Dom

Eine Himmelsmalerei mit drei Harfen

Philharmonie und Robert-Franz-Singakademie mit bedeutenden Werken französischer Kirchenmusik

Von unserer Mitarbeiterin
MANUELA SCHREIBER

Halle/MZ. In Mitteldeutschland gibt es immer wieder Neu- und Wiederentdeckungen der eigenen Meister. Um so dankbarer ist man mitunter für weitergehende Entdeckungsreisen. Die Robert-Franz-Singakademie mit der versierten halleschen Philharmonie führte unter dem engagierten Dirigat von Gothart Stier im Dom zwei bedeutende Werke französischer Kirchenmusik auf.

Marc-Antoine Charpentier (16341704) galt als herausragendster Kirchenkomponist seiner Zeit und bekam vom Sonnenkönig Ludwig XIV. für seine Verdienste sogar eine Leibrente. Seine Vertonung des altchristlichen Hymnus "Te Deum" soll anlässlich einer gewonnen Schlacht entstanden sein. Gleich die acht Einleitungstakte (populär geworden als Eurovisionshymne) verbreiteten eine festlich-kraftvolle Stimmung.

Der Chor agierte sauber und mit guter Artikulation, das Orchester temporeich und nicht undifferenziert, und das jugendliche Solistenquartett mit Ulrike Fulde (Sopran), Cornelia Rosenthal (Alt), Peter Diebschlag (Tenor), Stephan Heinemann (Bariton) zeigte souverän seine schönen kultivierten Stimmen. Dennoch hätte ein reduzierterer Orchesterklang und eine stärkere Betonung der speziellen französischen Verzierungstechnik der guten Interpretation zu noch mehr Authentizität verholfen.

Charles Gounod hatte es mit seiner "Cäcilienmesse" (1855) leichter. Die romantische, verklärend-pathetische Tongebung lag den beiden Klangkörpern viel mehr. Gounods frühe und bis heute bekannteste sakrale Komposition entfaltete schon bald ihre berührende Innigkeit. Der Chor zeigte archaische Farbgebung, schreitendes Unisono, herrlichstes Piano und die Fähigkeit zu monumentalen Aufschwüngen. Im "Sanctus" konnte die Philharmonie wahre Himmelsmalerei betreiben (drei Harfen!) und fand auch sonst, durch Stiers Vehemenz angespornt, zu romantischem Ton.

Die Gesangssolisten (neue Absolventen der Leipziger Musikhochschule) waren allesamt Entdeckungen. Ihre, unverbrauchten, sicher geführten Stimmen trugen nicht unwesentlich zu diesem dankbar aufgenommen Konzert bei.

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