Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete im März 2003:
Philharmonie
Oper "Der Corregidor" konzertant aufgeführt
Von unserem Mitarbeiter
CLAUS HAAKE
Halle/MZ. Das vierte Donnerstagskonzert der Philharmonie hielt ein nicht alltägliches Erlebnis bereit: In konzertanter Aufführung erklang in der Händel-Halle am Geburtstag des vor hundert Jahren verstorbenen Hugo Wolf dessen einzig vollendete Oper "Der Corregidor" (Richter), die in einem spanischen Dorf angesiedelte Geschichte um den lüsternen Richter Don Eugenio und die von ihm aufs Korn genommene schöne Müllersfrau Frasquita.
Wolf, vor allem bedeutender Liedkomponist, vermochte jedoch mit seiner Musik nicht den großen Bogen über vier Akte zu spannen, sondern verblieb trotz manch durchgehender Motivik bei der Aneinanderreihung von Szenen. In diesen bietet die Partitur zahlreiche hinreißende Momente an Einfallsreichtum, Farbigkeit und Emotionalität, von den Philharmonikern unter dem aktivierenden und gestisch genau dosierenden Dirigat von Günter Neuhold sensibel musiziert. Von den zahlreichen Solisten dominierten Michelle Breedt (Frasquita) und Donald Litaker (Don Eugenio), von der Partitur reich bedacht, gesanglich vielfältig nuancierend und vor allem in Mimik, Gestik und Beziehungsaufbau die Bühne überzeugend ersetzend.
Dagegen blieb Roland Hermann als weitere Hauptperson (Müller) trotz imponierender Stimmgewalt im Ausdruck etwas blass. Auch die "kleinen" Rollen traten stimmlich und darstellerisch mit sicherem Maß für ihre Aufgaben in Erscheinung. Stellvertretend genannt seien hier Martin Petzold mit prächtiger Studie als betrunkener Sekretär und Irmgard Vilsmaier als Frau des Richters, die freilich als moralische Instanz beim allseits versöhnlichen Schlussgesang etwas zu viel Pathos investierte. Die Robert-Franz-Singakademie (Einstudierung Gothart Stier) hatte nur wenige Takte zu singen, die präzise und stimmschön erklangen.
Leider war infolge der akustischen Tücken des Raumes manche Textstelle kaum zu hören. Das wurde zum Teil ausgeglichen durch den Sprecher Peter Härtwig, der den Inhalt des jeweiligen Aktes vortrug und dabei auch hübsche Schilderungen von Örtlichkeiten und Umständen einflocht. Alles in allem: Eine gelungene Würdigung Wolfs, aber in dieser Form wohl mehr für Insider und erfahrene Musikfreunde von Interesse, wie der mäßige Besuch zeigte. Doch die Anwesenden waren beeindruckt und sparten nicht mit Beifall.
Robert-Franz-Singakademie Halle - Kritiken