Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete am 15. April 2003:
Philharmonie
Großartige "Dritte" von Mahler mit Bernhard Klee
Von unserer Mitarbeiterin
MANUELA SCHREIBER
Halle/MZ. Noch schallen im Kopf die verdoppelten Paukenschläge der Schluss-Takte nach. Noch fliegt der Atem, geht der Puls schneller und bricht sich dann erst im aufbrausenden Beifall die gestaute Spannung Bahn: Gustav Mahlers dritte Sinfonie beschrieb in der Händel-Halle den mühsamen Weg vom Chaos zur Erlösung, vom Menschen zu Gott. Die Philharmonie spürte mit Mut zu großen Gefühlen und risikoreichem Spiel bis ans Limit diesem Weg mit all seinen Wagnissen, Ausbrüchen und bedingungslosen Rücknahmen auf großartige Weise nach.
Als Vorreiter und gleichsam Fels in der Brandung gab Bernhard Klee mit Ruhe und wohldosierten Emotionen vom Dirigentenpult aus - ganz ohne Stab - die entscheidenden Impulse, immer in der vollen Übersicht über die hochkomplexe Partitur. Sein Vertrauen und sein Engagement spornte die Musiker und später im fünften Satz die Schar vorzüglich vorbereiteter Sänger (Robert-Franz-Singakademie, Stadtsingechor, Mädchenchor der Stadt Halle und Britta Schwarz, Solo-Alt) zu Höchstleistungen an.
Durch diesen unbedingten Einsatz gelangen zwar nicht alle Töne in den fast 90 Minuten mit absoluter Perfektion. Aber das war dem emotionsgeladenen, risikofreudigen Musizieren geschuldet und verstärkte nur den Eindruck. Gustav Mahler hatte das Programm zu dieser sechssätzigen Sinfonie zwar zurückgezogen. Doch seine Idee von der unbelebten, chaotischen Natur über die Pflanzen- und Tierwelt mit ihren Gegensätzen und berückenden Schönheiten (Blütenreigen im zweiten Satz) hin zum Aufstieg des verzweifelten Menschen (Britta Schwarz mit Wärme und großer Eindringlichkeit) in die lichtvolle Nähe Gottes zu gelangen, steht unsichtbar über dem Werk und gibt ihm den spirituellen Rahmen.
Das zehrende und zerrende Final-Adagio, das in seiner intensiven Streicher-Einleitung als Vorgriff auf die berühmten langsamen Sätze seiner fünften oder neunten Sinfonie begriffen werden kann, spannte den emotionalen Bogen noch einmal bis zum Äußersten, um mit hymnischen Bläser-Klängen und den erhebenden Unisono-Paukenschlägen den Gedanken der allumfassenden Liebe als musikalisches Symbol hörbar werden zu lassen.
Robert-Franz-Singakademie Halle - Kritiken