Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete am 22. April 2003:
Bach in der Marktkirche
Johannes-Passion von erschütternder Aktualität
Von unserem Mitarbeiter
CLAUS HAAKE
Halle/MZ. Eine tief berührende Darbietung von Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion erlebten die Besucher der Marktkirche am Karfreitag. Konzept und Interpretations-Qualität der Aufführung legten die großen geistigen Ströme frei, die Bach mit dem Durchbrechen religiös-dogmatischer und künstlerisch-formaler Fesseln zu unermesslichem musikalischem Reichtum und bewegender Ausdruckskraft inspirierten.
Unter Gothart Stiers zügiger und genauer Leitung erstanden die weiten Bögen der Musik und ihre gesanglichen und instrumentalen Details in facettenreicher Nuancierung und bestechender Präzision. Die glänzend vorbereitete Robert-Franz-Singakademie wurde ihrer bedeutsamen Aufgabe gerecht. Sie präsentierte sich als wohlklingender, flexibel reagierender Chor mit sicherer Beherrschung und Schlagkraft der Turba-Chöre sowie ganz besonders den bewundernswert differenzierten Chorälen.
Markus Brutscher gelang mit mühelosem und strahlendem Tenor eine eindringliche Evangelistenpartie in idealer Ausgewogenheit von dramatischen Zuspitzungen und erzählender Gesanglichkeit. Als weitere Bach-erfahrene Solisten wirkten Ulrike Staude (Sopran), Rosemarie Lang (Mezzosopran) sowie Stephan Heinemann und Jörg Hempel (Bariton). Die Philharmoniker waren stilvoll agierende Partner, die besonders in der Begleitung der Arien die innige Verwobenheit von Singstimme und Instrumenten in kammermusikalischer Transparenz verwirklichten. Besonderes Lob gebührt der Continuo-Gruppe für klangschönes und genaues Musizieren.
Ganz im Sinne der Interpretationen des Komponisten führte Stier die Musik aus der ergreifenden Darstellung tiefster Trauer ("Es ist vollbracht") zu einem Finale menschlicher Hoffnung und Kraft. Die Aufführung verlieh der Botschaft der Passion Christi - Symbol menschlichen Leids - in selten erlebter Geschlossenheit erschütternde Aktualität.
Robert-Franz-Singakademie Halle - Kritiken