Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete am 3. Mai 2003:
Philharmonie
Musikalische Variationen mit viel Emotionalität
Von unserer Mitarbeiterin
MANUELA SCHREIBER
Halle/MZ. Noch vor kaum drei Wochen atmete die Natur schwer im Ringen
um den Frühling. Jetzt leuchtet das zarte Grün, und
allerorten um die Wette suchen sich die Düfte von Flieder und Ginster
zu übertreffen. Uralte Bräuche zur Begrüßung des
Frühlings tauchen aus der Erinnerung auf und nehmen Gestalt an in den
Feiern um die Walpurgisnacht. Musikalisch auf die
Spurensuche von Beschwörung und Vertreibung von allerlei Dämonen und
Hexen begab sich Gothart Stier mit dem
Philharmonischen Staatsorchester im Kongress- und Kulturzentrum.
Bei Felix Mendelsohn Bartholdys "Erste Walpurgisnacht" (auf
einen
Balladentext von Goethe) trat zum Orchester noch die
Robert-Franz-Singakademie. Den Text um altes keltisches Brauchtum zum
Willkommen der erwachten Natur und die
Auseinandersetzung mit den christlichen "strengen Überwindern"
verdeutlichten zudem noch die drei Solostimmen von
Elisabeth Wilke (Alt), Martin Petzold (Tenor) und Egbert Junghanns
(Bariton) als verschiedene Figuren in dem heidnischen
Mysterienspiel. Trotz verschiedener Lautmalereien beim Verjagen der
christlichen Aufpasser, trotz des sinnfälligen Hin-
und Her-Wogens zwischen Solo- und Chorpassagen blieb das Stück
merkwürdig blass. Der Chor agierte mit artigem Bemühen und
sang sich doch erst am Ende mit großer Steigerung wirklich frei.
Auch die Musiker schienen ihre großen magischen Momente schon
in den
beiden Kompositionen zuvor gehabt zu haben. Neben dem
äußerst subtil ausgeformten Schluss von Modest Mussorgskis "Eine Nacht
auf dem kahlen Berge" blieb vor allem das einst
sehr populäre und heute vergessene Melodram "Das Hexenlied" des
Mahler-Zeitgenossen Max von Schillings im Gedächtnis. Die
eindringlichen Verse (Max von Wildenbruch) erfuhren im Vortrag von
Martin Petzold, der ungeahnte Sprecherqualitäten
zeigte, große Emotionalität.
Noch weiter gespannt und gesteigert wurde die düstere
Geschichte um
Schuld und Sühne eines sterbenden Mönchs durch die
Farbigkeit und intensive Themendurchdringung im Orchesterpart. Eine
hoch interessante und sehr gelungene Wiederentdeckung
in der Walpurgisnacht.
Robert-Franz-Singakademie Halle - Kritiken