Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete am 26. November 2003:
Benefiz der Philharmonie
Von unserer Mitarbeiterin
MANUELA SCHREIBER
Halle/MZ. Spürbar standen die Scharen von Musikfreunden, die Johannes Brahms "Ein deutsches Requiem" in der Marktkirche besuchten, unter dem ernsten Eindruck des Ewigkeitssonntags. Zugleich verstärkte bei ihnen die frohe Ahnung der bevorstehenden Adventszeit Freigebigkeit und Mitgefühl. Denn wieder wurde für Projekte des Kinderhilfswerks UNICEF und die weitere Rekonstruktion von Halles zentralem Gotteshaus gesammelt. Brahms bekanntestes chorsinfonisches Werk zeigte erneut eindringlich den Weg über Zweifel, Angst und Verzweiflung hin zu Glaube und Hoffnung als Sinn des Lebens.
Musik mit Hingabe
Jahrelang schon nehmen Halles Philharmonisches Staatsorchester und die
Robert-Franz-Singakademie unter ihrem Leiter Gothart Stier die Zuhörer
im November mit auf diesen wichtigen Weg. Doch diesmal war es, als
würde ein neuer Atem zwischen Musikern, Choristen und Pult wehen. Wie
frisch aufpoliert wirkte das vielschichtig, gewaltige Werk Brahmsscher
Erfindungskraft. Wie neu entdeckt zeigten sich Leidenschaft und
Hingabe. So erstrahlten die Gesichter der Sänger im verklärenden
"Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth", die Grenzen
dynamischer und stimmtechnischer Möglichkeiten wurden bewusst
ausgelotet. Bis ins Mark erschütternde
Klangintensität und erstaunliche Textverständlichkeit waren Preis und
Dank, aber auch Folge der seit einigen Jahren vorangetriebenen
Verjüngung
und Verschlankung dieser ältesten deutschen Singakademie.
Starker Eindruck
Die Philharmonie schwamm mit auf der Welle leidenschaftlicher
Genauigkeit und erfreute mit starker
motivischer Arbeit. Die zwei Solostimmen gewährten Momente des
prophetischen und tröstenden Innehaltens: der finnische Bass Tuomas
Pursio mit kraftvoller Klarheit und Katherina Müller mit eher
geradlinig schönem als erbarmungsvoll süßem Sopran. Der starke Eindruck
des Konzertabends zeigte, dass auch bei Altbewährtem immer wieder das
Neue gesucht werden kann und muss.
Robert-Franz-Singakademie Halle - Kritiken