Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete am 17. März 2005:
Robert-Franz-Singakademie: Mitwirkung an Messe im Petersdom als Ritterschlag
MZ-Foto: Bettina Wiederhold
Halle/MZ. Auch in Halle wird in diesen Tagen um das Leben des
Papstes gebangt. Dass dies beileibe nicht nur Katholiken tun, liegt
wohl auch daran, wie Johannes Paul II. Alter, Gebrechlichkeit und
Leiden mit Kraft und Würde trägt.
Für 75 Hallenser –allesamt Sänger der altehrwürdigen
Robert-Franz-Singakademie - gibt es aber noch einen anderen Grund, ihm
für seine Genesung die Daumen zu drücken. Wollen sie doch in drei Tagen
im Vatikan ein Konzert geben.
Sieben Jahre lang hat Chorinspektorin Hannelore Panse um diese Chance für ihr Ensemble gekämpft. Nun ist es endlich soweit. Sogar zwei Auftritte werden die halleschen Sänger in der Ewigen Stadt haben. In der Kirche San Paolo entro le mura (in den Mauern des Kirchenstaates) werden sie am Sonntag gemeinsam mit einem römischen Orchester Bachs Johannespassion aufführen. Und am Montag soll dann der eigentliche Ritterschlag folgen. Im Petersdom, der Papstkirche, darf der Chor unter Leitung seines Chefs Gothart Stier einen Teil der musikalischen Gestaltung der Messe übernehmen.
"In der Karwoche im Petersdom singen zu dürfen, ist eine
besondere
Ehre."
GOTHART STIER, CHEF DER SINGAKADEMIE
Das Introitus, einen Teil der Liturgie, singt die Singakademie in Versionen von Bruckner, Mendelssohn-Bartholdy und Scarlatti. "Es war uns wichtig, auch Musik aus dem deutschen Sprachraum zu präsentieren", sagt Stier. Den Auftritt in der berühmtesten Kirche der Welt sieht Stier übrigens auch als Ergebnis einer musikalischen Profilierung seines Chors an, dem der aus Halle stammende und jetzt in Leipzig lebende Dirigent seit nunmehr elf Jahren vorsteht. Das Image des Chors in der Musikbranche habe ebenso wie das Presse-Echo auf Konzerte der Singakademie zu dieser ungewöhnlichen Chance beigetragen. "Und auch noch in der Karwoche im Petersdom singen zu dürfen, ist eine besondere Ehre", lässt Stier seiner Freude freien Lauf.
Was auf den Chor sonst noch zwischen Roms sieben Hügeln wartet, muss sich der Dirigent allerdings entgehen lassen. Vertragliche Pflichten des auch als Leiter des Stadtsingechors viel beschäftigten Musikers zwingen ihn zur Rückreise, während seine Sänger fünf Tage lang Rom genießen. Ein touristisches Programm hat Hannelore Panse gemeinsam mit den italienischen Konzert-Organisatoren zusammengestellt: Kolosseum, Pantheon, Kapitol und der Trevi-Brunnen – das alles will besichtigt werden. Und damit das auch geschafft werden kann, hat Stier seinen Sängern für die erste Probe in der nächsten Woche freigegeben.
Robert-Franz-Singakademie Halle - Kritiken