Robert Franz Singakademie Halle

Kritiken und Presseberichte

Die Leipziger Volkszeitung berichtete am 10. Oktober 2005:

Brahms-Requiem schon im Oktober

Abokonzert der Westsachsen rezensiert

Borna. Meist beginnt sie erst mit der wirklich dunklen Jahreszeit im November - die Requiemzeit in Kirchen und Konzerthäusern. In Borna ist es bereits am Freitagabend soweit. Doch bevor Chefdirigent Markus Huber mit seinem Westsächsischen Symphonieorchester zum Brahms-Requiem anhebt, schickt er - quasi als wohlklangliche Ouvertüre - Mozarts „Maurerische Trauermusik" vorweg, um dann attacca (also nahtlos) Brahms ansetzen zu können. Seit dem letzten Abo-Konzert ist das eine experimentierfreudige Methode. Nur mit der Gefahr, dass mancher im Publikum (leider sehr lichtbesetzte vordere Reihen) nicht bemerkt, wo Mozart aufhört und Brahms beginnt. Eine Konzertpause gibt es nicht.

Für das Brahms-Werk wartet schon vor dem ersten Klingelzeichen die bekannte Robert-Franz-Singakademie aus Halle auf der Bühne. Im 1. Satz "Selig sind, die da Leid tragen" umschiffen sie gekonnt intonatorische Klippen, lassen eine ordentlich gestufte Dynamik und vor allem bemerkenswerte Soprane hören. Was sich in diesem Satz jedoch bereits andeutet, zeigt sich später auch: Das Orchester ist teilweise zu laut. Dann ist kein Text mehr zu verstehen - schon gar nicht für die, die das Werk nicht kennen. Da braucht es schon solcher Passagen wie im 2. Satz: das schlagkräftige "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras" in seiner Forte-Steigerung.

Die Bariton-Soli im 3. und 6. Satz hat Thomas Mäthger (Oper Chemnitz) übernommen, sehr textverständlich, manchmal im Timbre aber eine Spur zu theatralisch. Dafür stimmt hier die Ausgewogenheit zwischen Solo, Chor und Orchester. Auch im 4. Satz "Wie lieblich sind deine Wohnungen" ist die Chor-Orchester-Balance gut. Das Sopran-Solo im 5. Satz liegt nicht ständig bequem, aber Nancy Gibson (ebenfalls Chemnitz) punktet gestalterisch, wirkt jedoch bei Spitzentönen etwas angestrengt. Die Singakademie kann dann besonders im 6. Satz alle Register ziehen, ob nun angesichts des Todesstachels oder der Schlussfuge. Im letzten Satz werden besonders die Chorsoprane noch einmal arg gefordert - und glänzen (alle Achtung!) immer noch.

Des Klanges wegen wäre eine Kirchenaufführung ideal gewesen und hätte auch einige akustische Probleme gelöst. Denn das Brahms-Requiem hat nun mal sein besonderes Flair. Auch schon Anfang Oktober.

Katrin Seidel

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