Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete am 21. Dezember 2005:
Bachs Weihnachtsoratorium
Von unserem Mitarbeiter CLAUS HAAKE
Halle/MZ. Der
Reigen der halleschen Aufführungen von Bachs
Weihnachtsoratorium wurde am Sonntag in der Marktkirche mit der
Darbietung der Kantaten eins bis drei fortgesetzt. Unter Leitung von
Gothart Stier musizierten die Robert-Franz-Singakademie und die von
Musikern des Opernhauses unterstützte Philharmonie sowie vorwiegend
junge Solisten. Es war ein Konzert von begeisternder Professionalität,
in dem Stier die Partitur detailbewusst und in lebendiger
Differenzierung bis
an die Grenze des Möglichen ausschöpfte.
Extreme Gestaltung
Der Chor präsentierte sich stimmlich und gestalterisch in
glänzender
Form. Jedem Tempo gewachsen zeichnete er sich durch Geschlossenheit -
hervorragend Sätze wie "Jauchzet, frohlocket" und "Herrscher des
Himmels" - wie durch zarte Stimmungen und berührende Schlichtheit aus
("Er ist auf Erden kommen arm"). Exakt wurden die anspruchsvollen
polyphonen Partien und die Koloraturen gemeistert, alle
Gestaltungsabsichten des Dirigenten realisierend. Dass dabei einige
Choräle sehr extrem gestaltet wurden, bleibt eine Frage der Auffassung.
Dem Chor stand ein blendendes Orchester zur Seite, eingeschlossen eine
agile Continuo-Gruppe und hervorragende Instrumentalsolisten. Es war
ein Muster an Artikulation, Transparenz und Gestaltungskraft zu
erleben. Die Instrumentalisten verstanden sich nicht nur als
Begleitung, sie leisteten einen gewichtigen Beitrag zur Farbigkeit und
Ausstrahlung der Musik. So entwickelten sie in der Sinfonia
der zweiten Kantate in wunderbar erzählendem Gestus eindrucksvolle
Bildhaftigkeit.
Sprachliche Klarheit
Gudrun Sidonie Otto (Sopran), Ulrike Helzel (Alt), Eric Stokloßa (Tenor/Evangelist) und Mario Hoff (Bass) fügten mit Stimmschönheit und sprachlicher Klarheit weitere Farben hinzu. Doch wäre der Evangelistenpartie und den Alt-Arien etwas mehr Lockerheit und freundliche Wärme zu wünschen gewesen. Das Publikum feierte alle Mitwirkenden mit lang anhaltendem starken Beifall für die von der humanistischen Idee, Gefühlstiefe und bewegender Schönheit erfüllte Aufführung.
Robert-Franz-Singakademie Halle - Kritiken